Andrologische Basisuntersuchung

Bei unerfülltem Kinderwunsch hat sich ein systematisches Vorgehen sehr bewährt:
  • andrologische Basisuntersuchung
  • bei normalem Samenbefund weitere Diagnostik der Partnerin
  • bei pathologischem Samenbefund medikamentöse Behandlung des Mannes, Kontrollspermiogramm und Besprechung zusammen mit der Partnerin
 
Grundvoraussetzung  für eine andrologische Basisuntersuchung eines potenziell infertilen Mannes ist eine sexuelle Abstinenz von 3-5 Tagen. In jedem Fall gehören zur Abklärung ausführliche reproduktive und allgemeine Anamnese, körperliche Untersuchung, Hormonbestimmung und Spermiogramm. Vor allem beim Spermiogramm ist es wichtig, auf eine den WHO­ Kriterien entsprechenden Qualität zu achten.
 
 
 
Anamnese
  • Dauer und Art der lnfertilität, frühere Schwangerschaften (sowohl mit der aktuellen als auch mit anderen Partnerinnen), bereits erfolgte Abklärungen
  • Sexualanamnese (Libido, Potenz, Ejakulation, Häufigkeit und optimales Timing des Geschlechtsverkehrs)
  • Systemerkrankungen (u.a. neurologisch, muskulär, Diabetes mellitus), frühere und aktuelle Medikamenteneinnahme, Operationen, Infektionen
  • berufliche Belastung, Stress, Nikotinabusus. Drogen, Status nach Bestrahlung, Chemotherapie
 
 
Klinische Untersuchungen
Allgemein und Genitalbereich (Hoden- und Nebenhodentastbefund), eventuell Ultraschall bei Verdacht auf testikulare Dysfunktion.
 
 
 
Spermiogramm
Voraussetzung ist eine sexuelle Abstinenz von mindestens 3-5 Tagen. Die Samenprobe sollte nach WHO-Richtlinien erfolgen und im ldealfall innerhalb von 1- 2 Stunden in einem spezialisierten Labor untersucht werden.
 
Hormonstatus
Es sollten folgende Hormone bestimmt werden: Testosteron (wegen des zirkadianen Rhythmus sollte das Testosteron am Morgen gemessen werden), luteinisierendes Hormon (LH), follikelstimulierendes Hormon (FSH), Prolaktin.
 
Ein erhöhtes FSH ist ein Hinweis auf:
eine Störung der Spermiogenese, ein normaler FSH-Wert ist aber keine Garantie für eine gute Samenqualität {z.B. bei partiellen und totalen Verschlüssen der Samenwege). DHEA-S und SHBG ergänzen die Untersuchung. TSH gibt einen Überblick über die Schilddrüsenfunktion.
 
Bei schlechter morphologischer Qualität der Spermien und Androgenmangel ist eine Substitution mit Androgenen zu empfehlen. Sehr nachteilig auf die Samenqualität wirkt sich Nikotinabusus aus: Nikotin reduziert die Durchblutung der Hoden stark und damit die Ernährung des Keimepithels. Zwar führt Nikotinabstinenz nicht unmittelbar zu einem Normalbefund, jedoch in jedem Fall zu einer Verbesserung.
 
Ergibt der Hormonstatus eine Abweichung von der Norm, ist zu entscheiden, ob eine Behandlung möglich ist bzw. welche Therapie eingeleitet werden sollte. Ein erhöhtes FSH ist ein Hinweis auf eine Störung der Spermatogenese, die schwierig zu behandeln ist, jedoch nicht sehr häufig auftritt. Bei Infektionen ist eine antibiotische Behandlung einzuleiten. Operative Methoden kommen hauptsächlich bei der Varikozele, die eine eingeschränkte Samenqualität verursachen kann, zum Einsatz.